Ratgeber · Bildwelt
Hieroglyphen und Symbole in Puzzlespielen
Ankh-Zeichen auf Levelpyramiden, Krüge mit Schakalkopf, eingravierte Striche auf Edelsteinen: Ägypten-Puzzles leihen sich eine Bildsprache, die mehr als dreitausend Jahre alt ist. Was davon echt ist und was Dekoration, lässt sich erstaunlich gut auseinanderhalten.

Eine Schrift aus Bildern
Hieroglyphen waren kein Bilderrätsel, sondern ein vollständiges Schriftsystem. Die ältesten Belege stammen aus der Zeit um 3200 v. Chr., die jüngste bekannte Inschrift wurde im Jahr 394 n. Chr. im Tempel von Philae angebracht. Ein Zeichen konnte dabei drei Aufgaben erfüllen: ein ganzes Wort darstellen, einen Laut oder eine Lautgruppe wiedergeben oder als stummes Deutzeichen anzeigen, zu welcher Bedeutungsgruppe ein Wort gehört. Geschrieben wurde von rechts nach links, von links nach rechts oder in Spalten – die Blickrichtung der Menschen- und Tierfiguren verrät die Leserichtung.
Entschlüsselt wurde die Schrift erst in der Neuzeit. Der 1799 gefundene Stein von Rosette trägt denselben Text in Hieroglyphen, demotischer Schrift und Griechisch; Jean-François Champollion legte 1822 dar, wie die Zeichen zu lesen sind.
Die Motive, die in den Spielen wiederkehren
- Ankh. Das Henkelkreuz war das Schriftzeichen für »Leben«. In Jewel Ancient 2 prangt es auf jeder Levelpyramide, in Jewel Ancient Pyramid Treasure steht es als Figur in der obersten Reihe des Bretts.
- Anubis. Der Gott mit dem Schakalkopf ist in Pyramid Treasure auf den Deckeln von Krügen zu sehen, die als Zielobjekte gesammelt werden. Solche Krüge mit Tierkopf-Deckeln heißen in der Archäologie Kanopen.
- Skarabäus. Der Pillendreher stand für das Werden und Sich-Erneuern und war mit dem Sonnengott Chepri verbunden; als Amulett war er im ganzen Land verbreitet. Der »magische Käfer« aus Jewel Ancient 2 greift dieses Motiv zumindest dem Namen nach auf.
- Kartusche. Das längliche Oval mit Querstrich umschloss Königsnamen. Viele Spieltitel und Levelrahmen imitieren diese Form, ohne einen Namen hineinzuschreiben.
- Pyramide und Sphinx. Beide sind eher Wahrzeichen als Schriftzeichen. In Pyramid Treasure tauchen kleine Sphinx-Figuren als Zielobjekte in Sandkacheln auf.
Wo die Spielgrafik frei erfindet
Die Zeichen auf den Edelsteinen der Jewel-Ancient-Reihe – Spiralen, Sonnensterne, kantige Striche – sind keine Hieroglyphen. Sie erinnern eher an frei gestaltete Runen und dienen einem praktischen Zweck: Jede Farbe erhält eine eigene Form und ein eigenes Zeichen, damit das Brett auch ohne sicheres Farbsehen lesbar bleibt. Auch die Steinwände in Ultimate Jewel 2 Tutankhamun zeigen eher Anmutung als lesbare Inschriften. Das ist kein Mangel: Ein Spiel muss nicht korrekt schreiben, es soll eine Atmosphäre erzeugen. Wer die echten Zeichen sehen möchte, findet sie in Museen – Berlin, Hildesheim und München besitzen große Sammlungen, und viele Objekte großer Häuser sind online frei zugänglich.
Ein kleiner Blicktest
Beim nächsten Level bietet sich ein kurzer Blick auf den Hintergrund an. Menschliche Figuren im Profil mit frontal gezeichnetem Oberkörper, gleich hohe Zeilen und Spalten, klar abgegrenzte Zeichen: So sehen echte Reliefs aus. Glatte Ornamentbänder ohne Figuren, wiederholte Muster und Zeichen, die sich auf jedem Stein gleichen, sind Dekoration. Beides kann schön sein – aber nur das eine ist Schrift.